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ich bin so schrecklich unsicher |
pupsi

Neuling

Dabei seit: 18.08.2006
Beiträge: 22
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| ich bin so schrecklich unsicher |
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hm, also ich weiß gar nicht wie und wo und wann ich anfangen soll. ich bin hier schon seit einem jahr angemeldet, habe aber erst wenige beiträge gemacht. ich habe meinen papa verloren, er hat sich mit tabletten das leben genommen. er war manisch-depressiv. ich habe ihn in seiner wohnung gefunden, in seinem bett liegend. ich sage das, weil das ein sehr einschneidender punkt für mich war. meine mutter hat eine psychose und musste nach 10-jähriger "ruhephase" nach papas tod innerhalb von einem halben jahr dreimal in die psychiartrie. seitdem muss sie auch medikamente in form von einer "depotspritze" bekommen.
von dem punkt ab, an dem mein papa abschied genommen hat, bis zu dem zeitpunkt, an dem ich meine mama zum dritten mal aus der klinik abgeholt habe, habe ich extrem meine kraftreserven aufgebraucht. das merke ich erst jetzt. ich bin extrem müde, komme kaum aus dem bett, muss unkontrolliert weinen, auseinandersetzungen mit kunden (ich arbeite im verkauf) oder mit freunden kann ich nur schwer meistern, ich kann den kontakt zu meinen freunden nicht aufrechterhalten, alles ist so schwer und ermüdend. ich bin auch bis vor 4 wochen jeden tag abends ins fitnessstudio gegangen und habe sehr wenig und schlecht schlafen können.
an meinen papa denke ich zur zeit sehr viel und mache mir immernoch schwere vorwürfe, dass ich ihm nicht helfen konnte. ich habe mir auf meiner arbeit ein paar tage überstundenfrei genommen, die haben ja auch schon gemerkt, dass es mir im moment gar nicht gut geht. ich hatte eine kurze sitzung bei einer psychologin (es war der termin meiner patin, den sie mir freundlicherweise überlassen hat) leider kann diese keine patienten mehr aufnehmen. sie meinte, dass ich evtl. mal über einen aufenthalt in einer psychosomatischen klinik nachdenken sollte. sie hat mir das in etwa so erklärt: man kann für ein paar stunden zur kosmetikerin gehen (zur psychologin) oder man kann einen wellnessurlaub für 2-3 wochen machen, indem man intensiv mit sich und seinem körper arbeitet (die psychosomatische klinik). sie sagte sie merke, wie sehr ich den abstand von allem bräuchte und einfach mal nur reden müsse. das hat sich echt gut angehört.
ich habe auf meiner arbeit nachgefragt, ob die denn damit einverstanden wären, wenn ich für 2-3 wochen krankgeschrieben wäre um eine solche "kur" zu machen. sie meinten dass es ok sei und dass sie das gefühl haben, ich würde mich selber überfordern. ich habe eine eigene kleine accessoire-abteilung, die ich über alles liebe. sie fragten, ob ich diese für eine weile abgeben wolle, zur entlastung. das war ein schock für mich, denn diese abteilung und das wissen, dass ich dort "gebraucht" werde, erhält mich aufrecht. ich habe also die frage verneint und gemeint dass es mir bald wieder besser geht.
ich bin dann zum arzt gegangen, der selbe, der meine mutter behandelt. er meinte, er möchte mich ungern in eine solche klinik zur kur schicken, eher für zwei wochen all inclusive in die dominikanische republik
er meinte, ich habe mein ganzes leben schon die verantwortung für meine elltern übernommen, mich um sie gekümmert und gesorgt und somit auch eine art "elternrolle" übernommen. nun sind die kraftreserven aufgebraucht, was absolut verständlich ist, denn irgendwann gehts halt nicht mehr. er hat mir ein leichtes antidepressiva mitgegeben, damit ich besser schlafen kann. das habe ich nicht genommen, denn solche tabletten machen mir angst. wahrscheinlich bin ich da von meinem papa geprägt worden, der solche tabletten schon seit über 30 jahren nehmen musste und die seinen körper total zerstört hatten. er konnte zuletzt kaum noch laufen.
ich habe auch etwas im internet gegoogelt und das "burn-out-syndrom" entdeckt. wenn ich das durchlese, erkenne ich viele parallelen zu meiner situation. ich will das nicht zu ernst nehmen, ich will auch nicht sagen, dass ich irgendwie psychisch krank bin, denn das ist meine größte angst. bei zwei psychisch kranken eltern vielleicht auch verständlich.
jedenfalls geht es mir seit ungefähr zwei wochen besser. ich gehe nicht ins fitnesstudio, gehe um 22 uhr ins bett um genügend schlaf zu bekommen. ich trinke viel tee und tue dinge, die mir guttun. ich lese viel und mache "beautykram". es macht mir wieder mehr spaß mich schön anzuziehen und zurecht zu machen. ich bin nicht mehr so müde. am 3. oktober hatte mein papa geburtstag. ich habe es sogar geschafft, ein foto von ihm aufzustellen. ich wollte sehen, ob es mir angst macht, aber es geht. es ist ein sehr schönes foto, von dem er mir zulächelt. ich denke ich bin auf dem weg der besserung...
gestern war ein sehr stressiger tag, wir haben am montag inventur und ich musste alles aufräumen und viel ware auffüllen, weil ich heute frei habe und niemand in meiner abteilung ist. ein paar kunden haben gemeine sachen gesagt von wegen hier sähe es so gestopft aus und wir hätten eh nur schrott. ich projeziere sowas immer auf mich selber. ich bin dann gestern noch etwas länger als ich müsste geblieben und hab noch aufgeräumt. als ich dann endlich auf dem heimweg war, musste ich weinen. einfach nur weinen. alles kam in dem moment hoch. das mit papa, die angst nicht genug auf der arbeit zu machen, dass mein chef denken könnte ich wär ein kranker looser. angst, dass mein freund mich nicht mehr mag...bla bla bla.
und heute nacht hatte ich einen so realistischen traum von meinem papa, der nichtmal schlecht war. ich bin zumindest aufgewacht und hatte ein gutes gefühl. aber ich mussste wieder intensiv an ihn und seinen tod denken. das verfolgt mich einfach auch wenn ich noch so sehr versuche ein normales leben zu führen. es fehlt einfach etwas sehr, sehr wichtiges: mein papa.
und so gehts mir im moment dauernd: ich kämpfe um zu funktionieren und kämpfe gleichzeitig um etwas ruhe und frieden.
ich habe angst, was andere über mich denken, dass sie vielleicht nicht mehr hören wollen, was ich zu sagen habe und mich vielleicht nicht mehr ernst nehmen. hört sich bescheuert an ich weiß, aber die angst ist echt groß. ich möchte so gerne ernster auf der arbeit genommen werden, endlich auch mal mehr verantwortung übertragen bekommen. aber ich habe angst, dass sie mich für zu schwach halten. und jetzt weiß ich nicht, wie ich weiter vorgehen soll. sollte ich vielleicht doch mal eine therapie in betracht ziehen?
sorry, das war jetzt verdammt lange und ich möchte mich bei denjenigen bedanken, die solange durchgehalten haben
__________________ Life isn't about waiting for the storm to pass,it's about learning to dance in the rain."
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20.10.2007 10:18 |
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Apeliotes
Erfahrene(r)
   

Dabei seit: 26.03.2007
Beiträge: 382
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Mensch, Du!
Du beschreibst eine wirklich verständliche Zerrissenheit: für das Weitermachen kämpfen oder für Ruhe und Auszeit. Aus Deinen Worten spricht viel Lebensmut, Verantwortung und Für-sorge. Dass es Deiner Mutter nicht gut geht, muss Dich viel Kraft kosten.
Du schreibst, dass Du extrem müde bist. Vielleicht gehst Du nun mit Für-Sorge auch mit Dir um? Du wirst am besten wissen, was Ruhe für Dich ist, wie Kräftesammeln sich anfühlt.
Eine psychologische Begleitung in Anspruch zu nehmen, bedeutet nicht, dass Du psychisch krank bist, sondern in einer Situation seelischer Belastung Hilfe suchst. Burn-out ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Der Körper und die Seele melden sich an ihren Grenzen. Somit sind dies gutgemeinte Signale. Überhöre sie nicht.
Dir Kraft und Mut und nahe Menschen, die sich sorgen.
Nur Gutes, Apeliotes
__________________ Ich bin Leben das leben will inmitten von Leben das leben will. (Albert Schweizer)
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20.10.2007 12:09 |
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Athene

Erfahrene(r)
   
Dabei seit: 03.09.2007
Beiträge: 512
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| RE: ich bin so schrecklich unsicher |
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Liebe Pupsi,
ich glaube nicht, dass Du Psychopharmaka brauchst. Was Du beschreibst, ist meiner Meinung nach ein klassisches Burnout. Ich bin zwar auch nur Laie, aber auch ich hatte vor einigen Monaten selbst ein Burnout. Deshalb kommt mir Deine Beschreibung sehr bekannt vor.
Es steht mir nicht an, Dir einen Rat zu geben, aber vielleicht erzähle ich Dir hier einfach mal, was ich dagegen unternommen habe, damit Du siehst, dass es auch Alternativen zu dem gibt, was Ärzte gerne als schnelle „Lösung“ verschreiben. Du musst natürlich für Dich selber herausfinden, was Dir gut tun wird!
Also,mir hat eine Kombination aus dem Auseinandersetzen mit meinen Charaktereigenschaften; Familienmustern (nicht nein-sagen können, alles perfekt machen wollen, immer für andere da sein, etc.) und den vergangenen Jahren (mit Hife eines Coaches), der Identifikation meiner „Energiefresser“, einer Ernährungsumstellung, Tai Chi, homöopathischer Mittel und der Reduzierung meiner „Alltagsaufgaben“ auf das Notwendige geholfen. Meine Kräfte sind nach einem ¾ Jahr wieder fast zu 100% zurück und ich fühle mich seitdem wesentlich ausgeglichener.
Alles Liebe
Athene
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20.10.2007 18:37 |
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pupsi

Neuling

Dabei seit: 18.08.2006
Beiträge: 22
Themenstarter
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@apeliotes & athene: vielen dank für den zuspruch. wenn ich mit jemandem aussenstehenden rede, fühle ich mich gleich besser. wenn ich zu lange darüber nachdenke und nur für mich selber bin, dann steigere ich mich da sehr rein. neutrale meinungen sind extrem hilfreich für mich. vor allem, wenn derjenige auch verstehen kann, wie ich mich fühle.
@athene: das was du da erzählt hört sich sehr interessant an! wie hast du diesen coach gefunden? ist das wie eine art psychologe?
das mit der homoöpathie würde mich sehr interessieren, meine ma hat mir schon erzählt, dass es ein pflanzliches mittel namens "kytta" oder so ähnlich gibt, mit hopfen, passionsblüte und baldrian, das fürs besser schlafen ist. ich hab mich jetzt einfach mal mit kräutertee begnügt
wie gesagt, psychopharmaka ist nicht mein ding. ich nehm nichtmal ne kopfschmerztablette, wenns wehtut.
nochmal dankeschön *knuddel*
__________________ Life isn't about waiting for the storm to pass,it's about learning to dance in the rain."
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20.10.2007 20:58 |
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Athene

Erfahrene(r)
   
Dabei seit: 03.09.2007
Beiträge: 512
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Liebe Pupsi,
den Coach habe ich durch eine Zeitungsannounce gefunden, da ich, nachdem ich meine Prüfung, die ich kurz nach dem Suizid meiner Mutter machte, hingeschmissen hatte. Ich habe eigentlich jemanden gesucht, der mich durch die Trauer begleitet und auf die nächste Prüfung vorbereitet.
Das Coaching kommt eigentlich aus Amerika. Hierzulande kennt man es am ehesten aus dem beruflichen Umfeld. Es ist eine Art „Trainer“. Das Wort Coach kennst Du bestimmt auch aus dem Sport. Genau so musst Du Dir die Arbeit mit ihm auch vorstellen. Damit werben die meisten Coaches auch. Dabei kann man für alle Lebenskrisen so jemanden engagieren.
Damit habe ich auch schon angedeutet, dass so was nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden kann. Es sind privatwirtschaftlich orientierte Berater, heißt, sie kosten Geld! Wie in allen Bereichen gibt es hier auch schwarze Schafe, also Vorsicht. Außerdem muss die Chemie stimmen. Mein Coach ist auch psychologisch ausgebildet. Das war mir wichtig. Denn ich habe eine Menge „Altlasten“. Ich wollte nicht nur jemanden, der mir zuhört, wie das so oft in der klassischen Psychotherapie passiert, sondern der mit mir auch alltagstauglich „trainiert“, mein Verhalten zu ändern, um wieder ein fröhlicherer und zufriedenerer Mensch zu werden.
Ich komme damit sehr gut zurecht. Allerdings ist das mein Weg! Es kann niemals ein Ratschlag an andere sein.
Was die Homöopathie angeht: Ich bin damals zu der Heilpraktikerin meines Vertrauens gegangen, die mit mir einen Plan erarbeitet und mein Konstitutionsmittel ermittelt hat. Von eine „Selbstmedikation“ rate ich Dir ab.
Athene
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Athene: 21.10.2007 11:51.
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21.10.2007 11:50 |
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