|
 |
Schlechte Therapeutin? |
Perle

Neuling
Dabei seit: 30.06.2008
Beiträge: 14
 |
|
Hallo Ihr,
kurz nach dem Tod meines Schwiegervaters habe ich mir vom Hausarzt eine Überweisung zum Psychologen geben lassen. Ich dachte, ich habe so etwas Schreckliches erlebt, da hole ich mir lieber rechtzeitig Hilfe, "bevor" es mir richtig schlecht geht und außerdem hatte ich die Hoffnung, dass die Psychologin mir vielleicht auch viele Fragen beantworten kann, die ich eigentlich an meinen Schwiegervater hatte.
Was ich aber bei der erlebt habe, hat mich wirklich schockiert. Zum einen meinte sie, ich mache doch einen ganz stabilen Eindruck, ob ich den wirklich der Meinung bin, dass ich sie noch weiterhin bräuchte? Wenn ich denn unbedingt will, könne ich ja wiederkommen, aber sie wüsste nicht, wie sie mir helfen könne. Zum anderen habe ich versucht, ihr zu erzählen, wie mein Schwiegervater vorgegangen ist, das er alles geplant hat, sogar einen Brief hinterlassen hat und es nicht! in der Wohnung getan hat, so dass meine Schwiegermutter dort zum Glück weiter wohnen kann und das ich ihm dafür "dankbar" bin, wenn man das so sagen kann. Sie hat das aber alles abgestritten und meinte nur, da er sich erschossen hat, dass das eine sehr agressive Art gewesen sei und das er dabei sicher nicht an uns gedacht hat. Sie kannte ihn doch gar nicht! Für einen Außenstehenden mag es ja aggressiv erscheinen, aber zu ihm paßte es. Es war sicher, schnell und technisch/mechanisch, er hatte es in der Hand. Und das war nun einmal seine Art. Handwerklich super geschickt und immer alles allein machen wollen, bloß keine Hilfe annehmen. und Waffen haben ihn nun einmal fasziniert.
Also, ich muss sagen, ich bin wirklich entsetzt, wie Ärzte so oberflächlich sein können und habe das Gefühl, Hilfe bekommt man erst, wenn man in der weißen Jacke mit den Armen auf dem Rücken eingeliefert wird. Das kanns doch nicht sein, ich dachte, ich gehe lieber rechtzeitig, bevor! es so weit kommt. Was haltet Ihr von so einem Verhalten? Wurdet Ihr auch so abgewiesen?
Viele Fragen, die ich an meinen Schwiegervater hatte, wurden mir übrigens hier in diesem Forum allein durchs Mitlesen beantwortet!!! Super, das hat mir sehr geholfen. Ich denke zwar, dass viele fragen für immer offen bleiben, es hat aber trotzdem Licht ins Dunkel gebracht. Ich schicke Euch etwas von diesem Licht.
Perle
|
|
16.07.2008 10:45 |
|
|
Löckchen

Erfahrene(r)
   

Dabei seit: 30.10.2006
Beiträge: 1.255
 |
|
Hallo
Ich weiß nicht ob man sagen kann das sie eine schlechte Therapeutin war.Ich hatte nach ein paar Monaten auch eine Therapeutin.Ich kam mit ihr nicht zurecht und ich hatte das Gefühl das sie mich nicht ernst nimmt.In meinen Augen hat sie mir auch ein paar ziemlich blöde Sachen gesagt wo ich denke das sollte sie als Therapeutin nicht.Für mich war sie auch eine schlechte Therapeutin aber für jemand anderen ist sie vielleicht genau richtig.Jetzt habe ich einen Psychologen der für mich passend ist und der mich ernst nimmt und dem ich vertraue.Vielleicht solltest du noch mal nach einem neuen Therapieplatz suchen bis du jemanden für dich gefunden hast der dich ernst nimmt und wo du dich wohl fühlst und ernst genommen wirst.Es muß schon passen und das war bei ihr halt nicht so.
Liebe Grüße
Löckchen
__________________ Gruß Löckchen
|
|
16.07.2008 11:13 |
|
|
Perle

Neuling
Dabei seit: 30.06.2008
Beiträge: 14
Themenstarter
 |
|
Hallo Löckchen und Nicki,
danke für Eure Unterstützung. Also, zu der ersten Therapeutin gehe ich nicht mehr, es hat mich einfach zu sehr schockiert, wie sie die Art des Todes als aggressiv auch gegen uns bezeichnet hat, das fand ich echt daneben. Und wie gesagt, viele Fragen, die ich eigentlich ihr stellen wollte, haben sich für mich hier im Forum beantwortet.
Trotzdem bin ich ganz froh, dass ich es versucht habe, dass gibt mir schon ein Gefühl von Sicherheit für mich selber.
Was bisher immer noch offen ist, ist die Sorge um meinen Mann. Ab und an hört man ja davon, dass Depressionen in der Familie liegen. Und es ist so, das sich vor 40 Jahren schon die Mutter von meinem Schwiegervater das Leben genommen hat. Es gab vorher keine Anzeichen. Auch bei meinem Schwiegervater war keine Depression bekannt. Die letzten drei Wochen vor seinem Tod war er dann allerdings sehr schlecht drauf.
Und mein Mann hatte vor ca. 10 Jahren über ein paar Wochen auch mal Depressionen und hat sich behandeln lassen. Da kannten wir uns allerdings noch nicht. Nun habe ich halt Angst, dass das bei ihm irgenddwann auch einmal so weit kommt. Und auch das wollte ich mit der Psychologin besprechen, aber da hat sie sich auch nicht weiter zu geäußert. Mein Mann erklärt, dass er sich ja schließlich damals auch Hilfe geholt hat, und sollte es nocheinmal so weit kommen, würde er sich wieder helfen lassen. Die Frage ist halt nur, ob er das dann auch wirklich macht. Aber ich will natürlich auch auf keinen Fall die Krankheit herbeireden und ihn immer und immer wieder löchern, ob es ihm wirklich gut geht. Ich denke, nachdem was wir erlebt haben, sind Verlustängste auch irgendwie "normal" und ich versuche derzeit, diese Ängste nicht zu groß werden zu lassen, sondern auf einem erträglichen Maß zu halten. Sollte ich irgendwann das Gefühl haben, es wird kritisch, dann starte ich einen neuen Versuch.
Bis dahin fühle ich mich hier sehr gut aufgehoben. Als sehr angenehm finde ich, dass hier immer jemand "in der Nähe" ist und ich nicht erst warten muss, bis ich irgendwann in 14 Tagen einen Termin bekomme, der dann auch nicht länger als 20 Minuten dauern darf. Hier sind wenigstens keine zeitlichen Beschränkungen. Ich muss mir meine Fragen oder Sorgen nicht rechtzeitig in den Kalender eintragen, wenn sie da sind, schaue ich einfach hier rein.
Liebe Grüße und ein kleines Licht
Perle
|
|
16.07.2008 22:23 |
|
|
kaiserin71

Forenmitglied
 

Dabei seit: 18.03.2008
Beiträge: 50
 |
|
Liebe Perle,
ich bin nach dem Tod meine Bruders erst eine Zeit lang zur psychologischen Beratung der Caritas gegangen. Das war wirklich prima, ich hatte eine tolle Betreuerin. Aber irgendwann konnte sie mir nicht weiterhelfen (und hat dies auch gesagt) und ich habe dann glücklicherweise durch eine Selbsthilfegruppe einen tollen Therapeuten gefunden. Wohlgemerkt - Therapeut (psychologische Psychotherapie). Zum Psychologen oder Psychiater wollte ich nicht, da ich es ohne Medikamente schaffen wollte. Ich kann dir auch nur sagen, verlass dich auf deinen Bauch, wenn du deinem Gegenüber nicht vertraust bringt es gar nichts! Und Vertrauen und sich öffnen können ist das Wichtigste!
Und ich glaube es ist doch auch so, dass man erst einmal eine "Probestunde" nehmen kann, bis man sich entscheidet, oder?
Ich wünsche dir viel Glück bei der Suche und alles Liebe
kaiserin71
__________________ Nun aber ist es Zeit fortzugehen, für mich um zu sterben, für euch um zu leben;
wer aber von uns dem besseren Los entgegengeht, das ist allen verborgen, außer Gott.
(Sokrates)
|
|
18.07.2008 12:40 |
|
|
responsible
Anfänger(in)

Dabei seit: 25.06.2008
Beiträge: 34
 |
|
| RE: Schlechte Therapeutin? |
 |
Hallo,
eine Therapeutin zu finden, die zu einem paßt, ist nicht einfach.
Es ist nicht nur so, dass es eine Reihe unqaulifizierter Therapeuten gibt.
Sondern es muß auch zwischen Klient und Therpeuten einfach "die Chemie stimmen".
Um das herauzufinden, gibt es i.d.R. auch von der Kasse 3 probatorische Sitzungen. Erst dann kann man sich entscheiden und auch den Auftrag an dern Therapeuten herausarbeiten.
Mit euch beiden hat das nicht funktioniert.
Lass dich aber nicht entmutigen, sondern such weiter, bis du jemanden findest, dem du menschlich und fachlich vertrauen kannst.
Und auch da kann irgendwann die Luft raus sein (bei mir war ich nach einem Jahr an dem Punkt, wo ich nach anfangs erfolgreicher Therapie einfach nicht mehr weiterkam und diese beendete)
Das Verhalten deiner Therapeutin ist insofern gut, dass sie klar sagt, dass sie dir nicht helfen kann. Diese klare Aussage ist besser, als nur halbherzig eine Zeitverschwendungstherapie zu machen. D.h. eine Zusammenarbeit macht keinen Sinn.
Das sie sich in deine Situation nicht hereinfühlen kann oder will, ist offensichtlich. Denn sie hämmert Dir lediglich ihre Meinung auf, anstatt dich erst mal wahrzunehmen.
Das der Austausch hier auch therapeutische Funktion hat, ging mir auch so.
Ich wünsch dir alles Gute
responsible
__________________ Der Tod ändert den Blickwinkel
|
|
19.07.2008 21:50 |
|
|
Stine

Erfahrene(r)
   
Dabei seit: 09.04.2007
Beiträge: 115
 |
|
Liebe Perle,
ob deine Therapeutin eine schlechte Therapeutin ist, kann ich so auch nicht sagen, vielleicht hat sie dich provozieren wollen, damit du aus dir herrauskommst, vielleicht ist es aber auch zu einer Gegenübertragung gekommen, d.h. das Du mit deiner Geschichte in Ihr einen blinden Fleck getroffen hast und sie desshalb so reagiert hat, was eigentlich nicht passieren darf, aber wir sind halt alle nur Menschen.
Aber manchmal passt es einfach auch nicht und man kommt mit einem anderen Therapeuten einfach besser klar, dazu hat man ja in den ersten Std immer die Möglichkeit zu wechseln.
Ich mache z.Z selbst eine therapeutische Ausbildung und weiss auch wie schwierig es ist, egal ob selbst als Therapeut oder als Klient.
Lg
Stine
|
|
22.12.2008 13:56 |
|
|
|
|
|
 |
|