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Zum Ende der Seite springen Therapie - wie habt ihr es erlebt?
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nessidolphins nessidolphins ist weiblich
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Dabei seit: 17.04.2007
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Therapie - wie habt ihr es erlebt? Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hallo zusammen,

nach einiger Zeit des stillen Mitlesens habe ich etwas zu erzählen:

Ich habe mich nochmals an eine Therapeutin gewendet.

Ich war schon mal bei jemandem kurz nachdem Peter starb, ich hab es damals in meinem thread gepostet. Ich war ja sooo stolz, dass sie mir sagte, im Moment wisse sie nicht, wo ansetzen, sie sähe keinen "Therapiebedarf". Ich dachte echt, ich schaffe das, weil ich ja sooo stark bin. Bin ich aber nicht!!!!!

Inzwischen sehe ich das anders. Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass es mich manchmal förmlich zerreißt.
Auf der Arbeit kriege ich nichts geregelt, ich schlafe schlecht und träume viel und wirr.

Ich war jetzt drei-, viermal bei dieser anderen Therapeutin und bin inzwischen bis hierhin gelangt: Was ich bisher so erlebt habe, ist, so denkt sie, immer noch als "Schockstarre" zu benennen und jetzt bricht das so langsam auf.
Sie sagt, die Kunst sei es, das zu akzeptieren wie es ist, es anzunehmen dass ich keine Schuld habe und dass ich seinen Weg, dies zu tun, nicht beeinflussen konnte.
Zurzeit sei ich immer noch nur an der Oberfläche, würde mich damit beschäftigen, nachzudenken, meine Zeit zu vertreiben und zu füllen. Sie sagt, ich müsse an den Grund kommen, mich sozusagen fallen lassen anstatt an der Oberfläche zu bleiben. Erst wenn ich untern angekommen sei, könne ich sehen, dass mich das nicht umbringt und dass ich es aushalten könne (tatsächlich habe ich mich in letzter Zeit oft gefragt, kann man am gebrochenen Herzen zugrunde gehen? Es fühlt sich für mich so an). Und wenn ich unten angelangt sei und sehen würde, es bringt mich nicht um, könne ich die Situation annehmen wie sie ist und mich/mein Leben sozusagen wieder angehen/aufbauen/ausbauen.

So in etwa habe ich verstanden was sie mir bisher gesagt hat und worauf die Gespräche abzielen sollen. Ich sehe das ein und verstehe, was sie mir sagt. ich merke ja selber, dass ich sozusagen "festhänge" und es grad nicht weiter geht.

Aber wie kommt man nach "ganz unten"? Wie kann ich akzeptieren, was ich nicht will? So oft wünsche ich ihn mir an meine Seite!
Wie läßt man sich in etwas bewußt hinein fallen (nämlich diese Trauer und der Schmerz um alles, was wir hatten und um das, was gerade aus mir geworden ist und wird), was unter der Oberfläche blubbert und was man ständig überspielt, zur Seite schiebt oder sonstwas?
Der Gedanke daran, es zuzulassen scheint mir so abwegig und ich weiß nicht wie mir das gelingen kann.
Denn das ist ein beängstigender Gedanke, mich in etwas hineinfallen zu lassen, vor dem ich Angst habe, dass ich es nicht werde aushalten können.

An eigentlich allen Tagen in den letzten Wochen ist es schlimm, sehr schlimm. Ich stelle mir Sinnfragen und ich weine viel, schleiche in gedrückter Stimmung durch die Gegend.
Ich habe mich zurückgezogen. Wenn ich alleine bin, möchte ich gerne unter Menschen sein. Und wenn ich unter Menschen bin, möchte ich nach Hause, alleine sein.

Kennt das vielleicht jemand und wie seid ihr damit umgegangen?

Was ich nicht möchte, ist stationär in eine Therapie gehen oder in eine Reha oder so.

Leider erfahre ich von Seiten meiner Arbeit keinen Zuspruch, nichts. Mein Vorgesetzter hat bis heute nicht mit mir gesprochen, hat nur einmal als es um meinen Urlaub ging gesagt er wisse nicht, wie er damit umgehen soll. HALLO?!? Ich auch nicht, und ich muß jeden Tag damit aufwachen und schlafen gehen.
Aus dem Kollegenkreis (die paar, die es wissen) kommt auch nichts. Ich hab einmal in der Pause erzählt, dass ich mich im Moment immer so schlecht und so traurig fühle. Das einzige war eine regelrecht agressive "Ansage" vom meiner Kollegin: "Da hilft nur eins, sie zu, dass Du unter Leute kommst". Also so eine Reaktion habe ich bis daher nicht erlebt. Ich habe mir dann gedacht, ich sage lieber nichts mehr und habe es ein bißchen so verstanden, dass es fast schon lästig fällt. Wahrscheinlich meinen sie, ich steigere mich hinein oder so was. Am liebsten möchte ich mich mit diesen Menschen gar nicht mehr an einen Tisch setzen, mich mit dieser Oberflächlichkeit nicht mehr konfrontieren. Du bist nur interessant, wenn du lächelst. Weine, dann weinst Du allein. Diese Erfahrung habe ich wie so oft in meinem Leben jetzt einmal mehr machen müssen. Ich habe keine Geduld mehr mit solchen Menschen.

Meine Eltern reagieren auch irgendwie nicht oder für mich befremdlich. Als ich andeutete, wie es mir geht, fragte mein Vater erstaunt, "sag bloß, das beschäftigt dich immer so so sehr? Ihr wart ja schließlich keine 20 Jahre verheiratet".
Die Eltern einer guten Freundin helfen mir derzeit mehr als meine eigenen, wie kann das sein?!?

Gibt es einfach nur viele Menschen, die auf dieses Thema unsensibel und unwirsch reagieren warum auch immer, oder gehe ich einfach im Moment zu hart ins Gericht mit meinen Mitmenschen?

Wie habt ihr das bisher erlebt? Ich habe keine Lust mehr, mich mit solchen Leuten zu umgeben, sie sind mir egal geworden. Mir ist egal geworden, was der und der sagt oder über mich denkt. Früher, vorher war mir so etwas zwar auch nicht megawichtig, aber es spielte eine Rolle für mich.
Und ich habe keine Geduld mehr mit manchen Menschen. Vieles ist für mich nicht mehr von Bedeutung. Ich war beeindruckt wenn jemand toll auftrat, doch noch mehr als vorher hinterfrage ich, wen ich da wirklich vor mir habe. Ich fragte das schon immer, aber vor kurzem habe ich einen Menschen, der mich volltextete von seiner Ausbildung, seinem Job und alles total aud dem Konzept gebracht. Ich habe einfach nur gefragt: Wer bist Du wirklich? Er sagte : Häh?, und ich sagte: Das was Du erzählt hast war etwas, wie Du Dich verkaufen willst. Aber wer bist Du wirklich?
Tja, das ist für viele Menschen anscheinend eine nicht zu beantwortende Frage. Ich gehöre auch dazu, ich kann sie mir selber zurzeit nicht mehr beantworten. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin und weiß nicht, was ich will, wohin es gehen wird. Das ist kein schönes Gefühl!

Wißt ihr, ich fühle mich zurzeit von allen Seiten unverstanden und auch sehr alleine gelassen.

Und manchmal frage ich mich echt, ob ich mich einfach nur so blöde anstelle - ich nehme den Schei.... auch noch zu Herzen, der mir da von Menschen erzählt wird, die sich entweder nicht damit befassen wollen oder können.

Dann frage ich mich wie es sich wohl anfühlt wenn man den Verstand verliert und ob ich vielleicht gerade dabei bin?!? Ich denke so viel über so vieles nach und dann denke ich manchmal, dass ich durchdrehe wenn ich nicht mal damit aufhöre.
Manchmal wäre ich dankbar dafür, dann würde ich vielleicht nicht mehr so viel nachdenken, und vielleicht würde dann der Schmerz aufhören!

Was denkt ihr und wie seid ihr mit solchen Gefühlen umgegangen? Meint ihr, das wird bleiben oder sich wieder "relativieren"?

Liebe Grüße an alle schickt Vanessa

__________________
Liebe ist alles.
09.07.2007 11:13 nessidolphins ist offline E-Mail an nessidolphins senden Beiträge von nessidolphins suchen Nehme nessidolphins in deine Freundesliste auf
Blacky Blacky ist weiblich
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Liebe Vanessa,

ich sehe mich von dir vor eine sehr schwierige Aufgabe gestellt.
Da ich weiß, dass du von uns einen menschlichen Rat erhoffst, bin so mutig und versuche, dir zu antworten und hoffe, dass ich dir damit ein wenig helfen kann.


Zuerst aber muss ich dir Recht geben, dass man oft, oder immer mehr das Gefühl bekommt, andere Menschen verstehen uns nicht. Sie wissen nichts über unseren Schmerz und naja, fast nehmen wir ihnen übel, dass sie sich nicht einmal die Mühe machen, darüber nachzudenken. Nun, wenn sie schon keine Ahnung haben, dann wäre es manchmal doch wenigstens wünschenswert, sie würden einfach ihre Klappe halten!

Meine eigene Mama hat zu mir gesagt, ich würde gerad so tun, als hätte ich das Kind zur Welt gebracht ...
Wenn so etwas von nahen Verwandten kommt, trifft es umso härter. Da soll man nicht den Mut verlieren!?


Deine Therapeutin hätte mich damals sicher mit den selben Worten nach hause geschickt. Ich finde solche Menschen schlimm.
Ich hatte einen Mann als Therapeuten und inzwischen weiß ich auch, mit ihm hatte ich Glück.
Er hätte mich nie nach hause geschickt, da bin ich mir sicher. Er war mein Zuhörer. Ich ging oft nur zu ihm, um zu reden. Um erzählen zu können, was außer ihm keiner mehr hören wollte. Und das tat mir gut. Es half mir sehr. Ich habe mit ihm jeweils die letzte Woche reflektiert und meine Gefühle. Und manchmal haben wir die Dinge dann tiefer beleuchtet und Strategien erarbeitet, für verschiedene Situationen. Er hat mich damit bei meiner Trauerarbeit sehr hilfreich unterstützt. Und so sollte eine Therapie meines Erachtens auch ablaufen.

Letztlich war ich so einsichtig und konnte sagen, jetzt geht es mir so gut, dass ich es ohne ihn schaffe und er kann sich einem Menschen widtmen, dem es schlechter geht als mir. So haben wir die Therapie beendet.

Ich bin wohl eines der wenigen Beispiele, wie es laufen sollte ...


Ach, liebe Vanessa. Fachlichen Rat kann ich dir leider nicht bieten, nur persönlichen.
Wie kommt man nach ganz unten? Ich halte es für wichtig, dass du dies nicht allein versuchst, sondern eine Person an deiner Seite hast, die dich versteht, der du vertraust und die dir Halt gibt. Gerade wenn du noch solche Probleme mit der Situation hast, halte ich das für sehr, sehr wichtig!

Du solltest dir auch sicher sein, dass du 'ganz unten' schon aushalten kannst.

Wie man das macht, weiß ich nicht. Ich kann mir nur Möglichkeiten herbei denken, aber jeder Mensch schafft es auf andere Weise, sich schmerzlich in 'Stimmung zu bringen'.
Es gibt ein gutes Buch "Einen geliebten Menschen verlieren" von Doris Wolf, in dem stehen einige gute Tipps, wie man verschiedene Dinge lernen kann anzunehmen.

Sonst kann ich mir vorstellen, dass es vielleicht hilft, wenn du dich in Ruhe mal hinsetzt und deine Zukunft reflektierst.
Stell sie dir vor, wie sie mit Peter ausgesehen hätte ... das wird sicher schon schmerzhaft werden. Ist es ja auch so tagtäglich. Aber so tust du das bewusst und das wird sicher viel intensiver - und härter und schmerzhafter.
Ja, und dann, so, wie es ist. Die Zukunft ohne ihn ...
Bewusst. Lass' es zu. Wenn du schon stark genug bist, dafür.

Einmal kannst du dabei die schmerzliche Empfindung erfahren und dann vielleicht, ich hoffe das verstehst du nicht falsch!, ein paar Dinge, die nichts mit einem Partner zu tun haben. Positive Sachen. Unternehmungen, die du machen kannst. Das kann mit einem Spaziergang anfangen. Im Sonnenschein, an einem Bachlauf entlang ...

Ich weiß es nicht. Es fällt mir wirklich schwer. Aber vielleicht kannst du ja mit dem Ansatz etwas anfangen?

Ich könnte mir vorstellen, dass du das dann öfter versuchst und mit der Zeit fallen dir dann vielleicht mehr Beispiele ein, für dich. Vielleicht hilft dir das ja, dich auf deine Zukunft ohne ihn an deiner Seite einzulassen?
Im Moment habe ich das Gefühl, du hältst ihn noch fest. Aber weißt du, er bleibt immer bei dir! In deinem Herzen, da hat er seinen Platz.
Die Hülle fehlt ---

"Augen, Lachen, Stimmen, die quälen, weil man sie nie wieder erblicken, nie wieder hören wird."

Fühl' dich umarmt.

__________________
Lieben Gruß
Sabine


Es gibt Momente im Leben,
da steht die Welt für einen Augenblick still
und wenn sie sich dann weiterdreht,
ist nichts mehr wie es war.

Und wenn die Sonne des Lebens untergeht, leuchten die Sterne der Erinnerung.

09.07.2007 12:35 Blacky ist offline E-Mail an Blacky senden Homepage von Blacky Beiträge von Blacky suchen Nehme Blacky in deine Freundesliste auf
Apeliotes Apeliotes ist männlich
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Liebe Vanessa,

vieles, was Sabine geschrieben hat, ging auch mir durch den Kopf. Ich möchte dem noch etwas hinzufügen.

Das "nach unten gehen" ist wohl mehr ein Ziel als eine Methode. Ich kann mir nicht vorstellen, dass gemeint ist, du müßtest nun seelische Schmerzen und Trauer provozieren, indem Du die oder die Übung machst. Als ob Du nicht schon genug erleidest. Es geht eher darum, das ist meine Meingung, die wirkliche Bedeutung des Verlusts für Dich und Dein Leben zu erfahren, zu begreifen, vorzustellen. Von da an hast DU dann die Möglichkeit, damit umzugehen. Es auch zu akzeptieren. Das geht doch aber nicht von nun auf jetzt, sondern braucht Zeit - d.h. auch Momente im Leben in denen einem die Bedeutung des Todes des anderen von allein klar wird. Bei besonderen Anlässen etwa.

Zur Akzeptanz des Suizids: akzeptieren heißt immer etwas anerkennen, billigen, zulassen, was im grunde nicht gewollt ist. Würdes Du etwas wollen, bräuchtest Du es nicht akzeptieren. Auch hier: es bedeutet, aktiv, bewußt und achtsam sich auf den Weg machen und langsam.

Was mir bei Dir auffällt - und vielleicht hat das mit Deiner Frage zu tun: offenbar sind für Dich die MEinungen und Handlungen der anderen Mitmenschen sehr zentral und bedeutend. Bis dahin, dass sie Dir egal werden. Vielleicht verschiebst Du damit ein Anliegen, was Du unter Umständen woanders klären könntest? Nur so eine Idee.

Liebe Grüße und lass Dich nicht "unter" kriegen, Apeliotes

__________________
Ich bin Leben das leben will inmitten von Leben das leben will. (Albert Schweizer)

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Apeliotes: 09.07.2007 13:04.

09.07.2007 13:03 Apeliotes ist offline Beiträge von Apeliotes suchen Nehme Apeliotes in deine Freundesliste auf
core core ist weiblich
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Liebe Vanessa,
ich glaube, dass das nach unten Kommen funktioniert wie bei einer Waage vielleicht auch wie ein Pendel. Für mich hat es sich so ergeben, dass meine Seele erst aus der Schockstarre aufgewacht ist, als ein gewisser Grad an Sicherheit gegeben war. Das heißt ich war in einer Klinik, musste nicht funktionieren für Job, Kinder, Beziehungen und ich hatte einige Hilfsmittel zur Verfügung. Hilfsmittel heißt, Menschen die mich auffangen, das Wissen, wie ich es schaffe, mich sicher zu fühlen, mich zu entspannen, Zeit zu haben ... Eine Seele gibt an Erinnerungen, Gefühlen nur so viel preis wie sie er-tragen kann. Es ist und war für mich wichtig ein Gleichgewicht herzustellen wie bei einer Waage. Der nächste heilende, schmerzliche "Blick" oder Schritt eröffnet sich erst wenn auf der Haben-Seite ein positives Gegengewicht liegt.
Das klingt für dich bestimmt alles befremdlich. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, ich stecke in einer Schockstarre, hätte ich ihn verwundert angesehen und wenn mir jemand gesagt hätte, welche Wege ich noch gehe um Heilung zu finden, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt. Bei mir löste sich diese Starre erst nach 17 Jahren. Es war nichts bewußt herbeigeführtes (mal abgesehen davon, dass ich freiwillig in eine Klinik ging). Bei einer Gruppentherapie hat mich die Geschichte einer anderen Frau so berührt, dass ich in einen "Prozess" kam, der mich in das Geschehen vor 17 Jahren brachte und Mitpatienten stärkten und hielten mich beim Hindurchgehen. Alle Starre fand Worte und noch wichtiger die "Körpererinnerungen" und alten nicht gefühlten Emotionen fanden einen Weg sich zu zeigen. Es war nicht wie bei einem Flashback, bei dem die Starre erhalten bleibt, wenn das Erlebte sich zum hundertsten, tausendstenmal wiederholt. Es war ein Fühlen - Gehalten werden - Gefühle ausdrücken - motiviert werden weiterzugehen. Danach wurde mir bewusst (sogar erst in dem Moment indem ich es aussprach), dass ist mir ja vor 17 Jahren passiert, es passiert nicht jetzt. Das war ein riesiger, allerdings nicht bewusst herbeigeführter Schritt! Ich für mich denke, dass dieser Schritt ausgelöst wurde, weil ich mich an diesem verletzten Teil der Seele einer "Berührung" öffnen konnte. Ich konnte mich wieder emotional berühren lassen ohne sofort abzubrechen, dicht zu machen, auf Rückzug zu gehen, Angst zu haben ... es ist schwer das in Worte zu fassen. Nach diesem Aufwachen, bekam ich für mich, mein Leben, meine Entscheidungen, meine Gefühle einen anderen Blick. Ich wurde langsam wirklich so alt wie ich war/bin.
Nach diesem Aufwachen erst, bin ich in der Lage bzw. habe ich Wege/ Möglichkeiten gefunden nach ganz unten zu gehen und meine Seele sperrt sich gegen jeden zu schnell gegangenen Schritt, jedes übereilte Vorangehen. Es ist fast, als müsste ich nach dem Aufwachen nochmal jedes Gefühl aus dem davor, danach und dem Schreckaugenblick ansehen, fühlen. Millimeter für Millimeter, dass verhindert Überflutung. Die Angst vor Überflutung, die Angst davor es nicht er-tragen zu können, hat ja immer verhindert aufzuwachen und dann zu heilen. Und mit jedem Millimeter den ich es ansehe, fühle, die Gefühle würdige, bekomme ich ein Stück Lebendigkeit zurück, kann ich mich wieder weiter aus meiner Höhle, meinem Zurückgezogensein hinauswagen. Und zwischen all diesen Schritten liegen Pausen in denen ich "ausruhe" (Das Pendel steht kurz bevor es umschwenkt) und dann mich mehr der "normalen Realität" widme, meinen Platz suche, stabil werde (das Pendel schlägt in die andere Richtung) dann wieder ein Heilungsschritt usw.
Welche Bedingungen du benötigst, dass deine Seele sich aufmacht zu erwachen aus der Starre, die sie als Schutz benötigt hat,um zu überleben, weiß ich nicht, dass wirst du herausfinden. Vielleicht auch indem du neu für dich erfährst, was dir Freude macht, was dir gut tut, was du brauchst, das können auch Übungen sein, zum Entspannen - keine wie schon Apeliotes schreibt, die noch mehr Schmerz provozieren. Vielleicht kannst du dich ja von einem Spaziergang am Bach berühren lassen, wie Blacky es schreibt.
Mich selbst zu verstehen, hat mir das Buch Trauma Heilung (siehe Bibliothek) geholfen. Allerdingst hat meine Therapeutin nicht so gearbeitet und du kannst deine fragen ob sie dir Literatur empfehlen kann, nach der sie auch mit dir arbeiten kann.
Für deinen Weg wünsche ich dir Mut und vertrauen in deine Seele.
Alles Gute
Core
09.07.2007 17:46 core ist offline E-Mail an core senden Beiträge von core suchen Nehme core in deine Freundesliste auf
nessidolphins nessidolphins ist weiblich
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Dabei seit: 17.04.2007
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Themenstarter Thema begonnen von nessidolphins
Danke - feedback hilft Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hallo,

ich komme soeben von einer weiteren Sitzung.

Vielen Dank erst einmal für euer feedback, alle drei Antworten haben mir auf ihre Weise wieder ein Stück geholfen. Freude

Ich denke mal, dass in meinem Falle noch mehr dahinter steckt als Zusatzbelastung zur eigentlichen Trauerarbeit, es ist einfach sehr viel für mich im Moment.

@core:
Das mit der "Schockstarre" verstehe ich, das Wort ist bei mir auch gefallen und ich verstehe, was Du beschreibst.
Man geht Wege, die man vorher als absurd bezeichnet hätte, nur um selber wieder zu heilen und man versucht einiges, wenn man meint, es kann helfen.

Ich stehe mir ein bißchen selber im Weg, weil ich mit mir selber sehr ungeduldig bin und mir alles nicht schnell genug geht.
Ich muß ausserdem erst einmal kapieren, dass ich mich jetzt nur um mich zu kümmern brauche und sollte.
Es klingt hart und ungerecht, und ich hoffe, Peter (wo auch immer er ist) und auch ihr versteht es richtig und nehmt mir das nicht übel:
Es war und ist ein bißchen auch so, dass mir eine ( mehr und mehr belastende) Aufgabe genommen ist. Jetzt stehe ich da und stelle fest, dass ich gar nicht (mehr) weiß, wann ich mich zuletzt nur um mich gekümmert habe. Ich weiß gar nicht mehr, wie das geht und es sieht zunächst so aus, als wüsste ich nichts mit mir anzufangen bzw. als gäbe es keinen Sinn darin, sich "nur" um sich selber zu kümmern. Das alles ist eine unbekannte Situation, noch nie dagewesen. Die Frage "und was jetzt?" kommt immer und immer wieder und macht mich ängstlich und schwindlig.
Was wenn ich das nicht schaffe? Was wenn mein Leben jetzt nur noch aus arbeiten, meinen Katzen und mir besteht? Was wenn ich ewig in meiner Trauer hängen bleibe und nicht über den Punkt hinaus komme, an dem ich heule und tobe und ihn mir verzweifelt an meine Seite wünsche? Was wenn ich seinen Weg nicht akzeptieren lerne sondern immer wieder sage es kann nicht sein was nicht sein darf? Was wenn ich dieses Akzeptieren nicht hinbekomme????
Das wird hffentlich nicht so sein, nur die Angst vor dem was kommen mag ist groß!

So blöd wie es klingt, es war im Laufe der Zeit schwer und schwerer, mit ihm zu leben. Ich wußte ja nicht dass er (wie ich heute weiß) unter einer Erkrankung litt, ich hab immer gehofft, es wird wieder... Obwohl ich ihn lieb(t)e und es wieder tun würde, mich wieder für ihn entscheiden würde und wohl wieder versuchen würde, für ihn da zu sein...
Ich hoffe, ihr versteht mich nicht falsch, wenn ich in diesem Sinne von einer beLASTung, also Last spreche, die auf einmal nicht mehr da ist. Deren Fehlen macht mir Angst , nimmt mir gleichzeitig jegliche Perspektive.
Für mich war es vorher leicht und selbstverständlich, stark zu sein - für ihn, für uns, für das WIR. Da gab es überhaupt keine Frage, das war das Normalste von der Welt. Und jetzt? Für mich selber kann ich das anscheinend (noch) nicht.
Aber ich glaube, gerade das ist die Kunst: Sich um sich selber zu kümmern. Ich will lernen, dass der Gedanke, jetzt alleine zu sein und nicht das alles tun zu können, was wir zusammen tun wollten, nicht schlimm und nicht perspektivlos ist. Ich will lernen, anzunehmen was jetzt ist und das betrauern zu können, ohne mich selber dabei kaputt zu machen.
Mal sehen, wie ich das hinbekomme. Heute gehts ganz gut, mal schauen, wie es morgen ist.

Ich habe heute gelernt, dass das was ich durchmache "total normal" sei. Auch dass das kommt und geht in Wellen, dass ich manchmal so doll weinen muss und das alles mich übermannt. Dass ich mir dann widerum an manchen Tagen gedanklich neue Perspektiven und Anregungen suche, und auch dass ich an manchen Tagen einfach ne Pause von allem und von mir selbst, meinem Weg brauche.

Die Kunst sei, es anzunehmen als Teil von mir selber, als meine Art, meinen Weg zu und das alles zu be- und verarbeiten, gab die Therepautin mir bisher zu verstehen.
Derartige extreme Schwankungen kenne ich von mir nicht. Ich kenne mich so überhaupt nicht. Naja, aber ein derartiger Verlust ist ja auch nichts, was mal eben so im Vorbeigehen geschieht...
Das fühlt sich an wie eine Achterbahn und ich finde das wirklich sehr anstrengend, heute auf dem Weg rauf, morgen total am Boden.
An jedem Tag wie gestern frage ich mich nach dem Sinn und an jedem Tag wie heut bin ich froh und ein bißchen stolz, Tage wie gestern überstanden zu haben!

Gut tut es, immer wieder nach hier zu kommen,zu lesen oder zu posten und zu wissen, dass ich weder durchdrehe noch anormal bin, sondern dass alle hier ähnliches auf ihrem Weg durchmachen.
Immer wieder wird es uns allen so gehen, jedem auf seine Weise.Das war sicher nicht das letzte Mal, dass ich an einem ganz miesen Tag hier getextet habe...
Ich bin so froh, hier zum Forum gefunden zu haben! Auch das hilft auf dem Weg, finde ich!

Ich versuch einfach mal, aus diesem OK - Tag heute ein bißchen was mitzunehmen wenns das nächste Mal bergab geht. Ich habe heute gelernt, dass man, wenn man von Höhen in Tiefen kommt, auf dem Weg abwärst sousagen gleichzeitig schon wieder Schwung holen kann, um die neue Höhe nehmen zu können. Ich bin gespannt, wie man das machen kann.

Jaja, das ist schon was mit dem Leben. Mal sehen, wohin es gehen wird, wohin ich gehen werde.

Liebe Grüße an alle!

__________________
Liebe ist alles.
10.07.2007 11:39 nessidolphins ist offline E-Mail an nessidolphins senden Beiträge von nessidolphins suchen Nehme nessidolphins in deine Freundesliste auf
Westfalia Westfalia ist weiblich
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Liebe Vanessa,

du hast geschrieben:
Zitat:
Es war und ist ein bißchen auch so, dass mir eine ( mehr und mehr belastende) Aufgabe genommen ist. Jetzt stehe ich da und stelle fest, dass ich gar nicht (mehr) weiß, wann ich mich zuletzt nur um mich gekümmert habe. Ich weiß gar nicht mehr, wie das geht und es sieht zunächst so aus, als wüsste ich nichts mit mir anzufangen bzw. als gäbe es keinen Sinn darin, sich "nur" um sich selber zu kümmern. Das alles ist eine unbekannte Situation, noch nie dagewesen.


Hier ist noch jemand, dem es ebenso geht. Ich weiß, was Du mit dem Verhältnis zwischen Belastung und gleichzeitig lieben meinst. Das ist bzw. war das absurde in meiner Beziehung.
Sich um sich selber zu kümmern ist mir bisher auch fremd gewesen. Schon als Kind musste ich mich in gewisser Weise um meine Eltern kümmern, als Erwachsene dann um meinen Mann und meine Tochter. Nachdem mein Mann tot ist, habe ich mich in die Arbeit und das kümmern um meine Tochter gestürzt. Diese sogenannte Schockstarre hat mich funktionieren lassen. Bis ich krank geworden bin und mir nun immer mehr klar wird, dass ich nicht nur Partnerin oder Mutter oder Arbeitskollegin bin, sondern dass ich auch ich selber bin und dass ich auch Bedürfnisse habe. Vorher habe ich gedacht meine Wünsche/Bedürfnisse in meiner Beziehung ausleben zu können, aber das war wohl ein Stück weit eine Täuschung. Um sich selber kümmern habe ich nicht gelernt.
Andere Probleme konnte ich mit Therapiehilfe sehr gut lösen, aber dieses bisher noch nicht.

Ich habe auch noch mal eine Therapie angefangen und hoffe mit ihr verarbeiten zu können und durch Denkanstöße endlich mich selber zu finden. Eins ist mir jetzt schon klar - es wird einige ziemliche Veränderungen auslösen, vermutlich zuerst bei meiner Arbeit. Da fällt es mir noch schwer den Gedanken daran, was ein evtl. Weggang von mir für die Arbeit der Kollegen bedeutet und was sie von mir denken könnten, in den Hintergrund zu schieben und mein eigenes Wohl in den Vordergrund zu heben.
Solche Gefühle kennst Du bestimmt auch oder?

Mir helfen die Antworten hier im Forum immer zu reflektieren. Oft haben sie mich aufgefangen und ja, sie haben dazu beigetragen, dass ich anfange nun meinen Weg zu suchen. Es gibt keine Patentlösung, aber der Austausch gibt Anregungen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich finde es toll, dass Du Dich ebenfalls auf die Suche begeben konntest. Ich wünsche Dir viel Kraft und Glück dabei,

Karin

__________________
Ich bin nicht tot, wechsle nur die Räume, ich lebe in Euch weiter, geh' durch Eure Träume. (Michelangelo)
10.07.2007 13:20 Westfalia ist offline E-Mail an Westfalia senden Beiträge von Westfalia suchen Nehme Westfalia in deine Freundesliste auf
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Hallo Karin,

ich kenne das zu gut. Was denken sie, wenn ich mal nein sage? Halten sie mich für egoistisch oder für eine Zicke, wenn ich das und das mal anspreche. Ich will keinen Streß/Streit auslösen usw. usw. Also halte ich mich zurück, bin aber damit langfristig unzufrieden... Sowohl beruflich als auch privat.

So habe ich mich immer mehr in mich selber zurück gezogen über die Jahre hinweg. Nur für Peter konnte ich stark, selbstbewusst, frech, laut sein. Da war mir egal, was denken die Leute, denn ich hatte ja meine Bestätigung durch ihn. Und ich tat es ja für ihn/für uns.

Und jetzt bin ich alleine, ganz alleine. Alleine, das ist und war ein schlimmes, beängstigendes Wort für mich. Ich assoziiere damit Einsamkeit.
Einsame Feiertage an denen ich alleine in meiner Wohnung hocke, allein der Gedanke daran läßt mich fast irre werden. Weil ich dann meine, ich sei die einzige, die ganz einsam und von allen vergessen in ihrer Wohnung hockt. Böse Gedanken! Aber so ist es ja nicht!!!!

Es ist halt nur so, dass nicht dauern jemand um einen herum ist und man nicht immer etwas zu tun hat aus diesen oder jenen Gründen.
Auszeiten hatte ich so nicht. Nur, wenn ich auf dem Weg irgendwohin war, schlief, duschte, im Bad war. Aber auch das sind ja keine richtigen Auszeiten, wo man mal einfach nur sich selber hat.

Ich wußte (und weiß) manchmal echt nichts mit mir anzufangen wenn ich einfach mal alleine mit mir bin. Dann lase ich, schaue TV, krame und fummle was an und in der Wohnung, schlafe oder döse oder sitze rum und langweile mich.
Aber eigentlich ist es keine Zeit zum Langweilen, es ist Zeit die man für sich selber hat.
Wo man mal in sich gehen kann, in sich horchen kann... Aber mich wirklich mal ohne Buch in die Wanne legen, einfach mal irgendwo sitzen oder entlang laufen um des Seins willen, ohne Aufgaben, ohne Ziel, einfach mal nur für sich selber? Das kenne ich nicht und das fällt mir schwer.
Vielleicht tun viele Menschen das einfach nur nicht, weil sie Angst vor dem haben, was sie so hören würde, würden sie wirklich mal in sich horchen.
Vielleicht ist auch sowas wie "Müßiggang ist aller Laster Anfang" zu tief in uns geprägt, man tut das einfach nicht. Aber warum eigentlich nicht?!?
Interessant finde ich unter diesem Aspekt auch, dass viele Menschen nicht gerne für sich alleine sein wollen. Peter konnte es nicht mal, er konnte nicht alleine sein. Der Gedanke daran und der damit verbundene Leidensdruck hat ihn sprichwörtlich umgebracht, so makaber es klingen mag. Er hat sich an freien Tagen oder in den Betriebsferien schrecklich gefühlt und mich ganz oft im Büro angerufen. Zu erzählen hatte er nichts, nur damit wir durchs Telefon irgendwie verbunden waren, er nicht das Gefühl hatte, er sitzt ganz allein daheim. Oder ich kam heim und die ganze Wohnung war umgeräumt, gewienert, umdekoriert, irgendwas hat er immer gekramt und gemacht. Eigentlich bin ich ein bißchen genauso. Nunja, es gab ja auch Jahre nichts anderes für mich und ich empfand das als normal...

Trotzdem werde ich versuchen, es mal zu tun, um so eine Zeit irgendwann hoffentlich mal genießen zu können, ohne bittere und traurige Gedanken. Ohne dran zu denken dass ich noch dies und jenes tun will oder muss. Einfach nur dasein und in mich gehen.

Nun ist das bei Dir ja noch etwas anderes, weil Du Deine Tochter hast und meine Katzen kommen nun mal anders mit sich klar als ein Kind.
Aber auch Deine Tochter hat sicherlich mal Zeiten, wo sie bei Freunden ist oder z. B. allein spielt oder früh im Bett ist? Und was machst Du dann? Kannst Du das, Dich einfach mal für Dich irgendwo hinsetzen, aus dem Fenster schauen und die Gedanken im Leerlauf lassen? Mal hören, was drinnen so los ist?

Ich kanns nicht. Im Moment nicht. Ich hoffe, ich werd es lernen, weil ich es will. Weil ich denke, dass es mir helfen kann.

Ich hinterfrage im Moment sowieso alles. Und jetzt hinterfrage ich auch, ob ich nicht einfach mal für mich selber sein kann. Ich wills versuchen und dann mal sehen, was es mir bringt. Und vor allem, ob es klappen wird...

Ich schick Dir liebe Grüße und ganz viel Kraft! Heute hab ich genug um etwas abzugeben.... großes Grinsen

__________________
Liebe ist alles.
10.07.2007 14:59 nessidolphins ist offline E-Mail an nessidolphins senden Beiträge von nessidolphins suchen Nehme nessidolphins in deine Freundesliste auf
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